Kinderwunsch-Lexikon und Häufige Fragen und Antworten

Was die Patientinnen und Patienten interessiert

Warum zeigt das Deutsche IVF-Register nicht die Ergebnisse jedes einzelnen Zentrums namentlich?

Aufgrund der vielen Anfragen wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass das Register keine konkreten Zentrum-bezogenen Informationen veröffentlichen und weitergeben darf.

Die „Ehrlichkeit“ der Dokumentationen ist von ausschlaggebender Bedeutung und eines der wichtigen Merkmale des Deutsche IVF-Registers. Erfahrungen aus anderen Ländern, die sogar einer Veröffentlichungspflicht der einzelnen Zentrumsergebnisse hatten, zeigten: je mehr Werbung dann damit unternommen wurde, desto mehr wurden die Dokumentationen und Ergebnisse geschönt. Die Folge: Geschönte Zahlen nutzen weder den wissenschaftlichen Auswertungen noch den Trends und Verbesserungspotentialen, die das Register daraus abgeleitet. Und deshalb nutzen sie in dann auch nicht den Patientinnen und Patienten bei der Frage, welches Kinderwunschzentrum denn wohl das beste Zentrum ist.

Ein direkter Vergleich der Ergebnisse ist daher nur in anonymisierter Form möglich. Jedes Zentrum hingegen, das Mitglied im Deutschen IVF-Register und damit diesbezüglich ein sehr gutes Qualitätsmerkmal besitzt, kennt neben den nationalen Zahlen auch seine eigenen Zahlen, Daten und Auswertungen aus dem Deutschen IVF-Register.

Wie ist meine Wahrscheinlichkeit, durch eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden?

Da das Ergebnis hauptsächlich von den Faktoren „Alter der Frau“, „Anzahl der übertragenen Embryonen“ und „Qualität der übertragenen Embryonen“ abhängt, lässt sich diese Frage am besten bspw. anhand der Tabelle auf Seite 37 des D·I·R Jahrbuchs 2016 beantworten. Vereinfacht gesagt ist die Erfolgswahrscheinlichkeit umso höher, je jünger die behandelte Frau ist und je häufiger ein oder zwei „ideale“ Embryonen übertragen werden. Ein konkretes Beispiel: anhand der Tabelle lässt sich erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit, bei der Rückgabe eines „idealen“ Embryos schwanger zu werden, bei einer 33-jährigen Frau ungefähr 33% beträgt. Wäre diese Frau nicht 33, sondern 37 Jahre alt, betrüge die Schwangerschaftsrate bei Rückgabe eines „idealen“ Embryos noch 23%. Ließe sich die 37 Jahre alte Frau nicht einen, sondern 2 „ideale“ Embryonen übertragen, wäre die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit ca. 39%, aber ungefähr jede vierte Schwangerschaft wäre in diesem Fall eine Zwillingsschwangerschaft.

Mein Kinderwunschzentrum empfiehlt mir die Übertragung von nur einem Embryo. Warum soll ich mir denn nicht zwei oder drei übertragen lassen? Das erhöht doch meine Chancen, oder?

Wie man ebenfalls bspw. aus der Tabelle auf Seite 37 des D·I·R-Jahrbuchs 2016 klar erkennen kann, erhöht die Rückgabe von mehr als 2 Embryonen (auch eine Rückgabe von 3 Embryonen wäre vom Gesetz her ja prinzipiell möglich) die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit nicht! Auf der anderen Seite kommen Zwillings- und Drillingsschwangerschaften deutlich häufiger vor, wenn zwei oder drei Embryonen übertragen werden. Auch wenn manches Kinderwunschpaar spontan vielleicht gerne Zwillinge oder Drillinge bekäme, kennen wir als Frauenärztinnen und -ärzte die Risiken der Mehrlingsschwangerschaften, die häufiger zu niedrigeren Geburtsgewichten und Frühgeburten führen und im schlimmsten Fall auch zu dauerhaften Schädigungen der Kinder beitragen können.

Viel sinnvoller ist es daher, lediglich einen oder maximal zwei Embryonen zu übertragen. Da sich nicht jede befruchtete Eizelle innerhalb der ersten fünf Tage nach der Befruchtung entwickelt, steigt die Wahrscheinlichkeit, einen oder zwei „ideale“ Embryonen übertragen zu können an, wenn mehr befruchtete Eizellen kultiviert werden, als das Paar für die Übertragung im jeweiligen Behandlungszyklus wünscht. Dieses Verfahren wird als „Deutscher Mittelweg“ bezeichnet und hat über die Jahre zu einer deutlichen Steigerung der Schwangerschaftsraten beigetragen. Sollten mehr befruchtete Eizellen oder Embryonen vorhanden sein als übertragen werden sollen, lassen sich diese für spätere Behandlungen einfrieren. Damit bleibt die Gesamtzahl der Kinder, die das Paar durch diese künstliche Befruchtung bekommen kann, dieselbe, aber das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften sinkt deutlich ab.